Bergsport und Umwelt
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Die Schweizer Goldschrecke kommt weltweit nur in den Churfirsten vor

Entdeckt wurde die sehr seltene Schweizer Goldschrecke erst 1987 vom Toggenburger Arzt und Hobby-Forscher Dr. Bruno Keist (vgl. lateinischer Name Chrysochraon keisti) am Gamserrugg. Im gut erforschten Alpenbogen (wie auch weltweit) konnte diese Heuschreckenart bislang nur in den Churfirsten gefunden werden und ist deshalb als neue Art benannt worden. Ihre nächsten Verwandten leben mehr als 1000km entfernt in den rumänischen Karpaten und in den südlichen Bergen des Balkans. Sie ist aufgrund ihrer Einzigartigkeit strengstens geschützt.

Vorkommen, Gestalt, Entwicklung

Die Schweizer Goldschrecken leben weltweit einzig an den nach Norden geneigten breiten Rücken des Chäserruggs und des Gamserruggs zwischen 1750 und 2000m. Sie meiden die abgeweideten und überdüngten Alpweiden und bevorzugen die durch Zäune und Mauern abgegrenzten Ränder der beiden Rücken. In dieser mit Alpenrosen, Heidelbeeren und Gräsern bewachsenen und mit Steinen und Felsbrocken durchsetzen Umgebung ernähren sich die Tiere ausschliesslich von Pflanzen mit Vorliebe für Gräser. Erwachsene Schweizer Goldschrecken findet man zwischen Juli und September versteckt in der Vegetation.
  Männchen und Weibchen dieser weithörbaren Heuschreckenart könnten leicht für zwei verschiedene Arten gehalten werden. Die langflügeligen Männchen sind stets graugrün gefärbt. Die deutlich grösseren (2.4 gegenüber 1.5cm) aber kurzflügeligeren Weibchen hingegen glänzen metallisch golden (vgl. Deutscher Name), aber auch silbergrau und kupferfarben schimmernde Exemplare treten auf. Die Eier werden vom Weibchen mit Hilfe des lang ausgezogenen Hinterleibes tief in den Boden gelegt. Bei Heuschrecken sehen die Jungtiere den erwachsenen Tieren (bis auf das Fehlen von Flügeln) sehr ähnlich. Die jungen Goldschrecken graben sich aus der Erde heraus und ernähren sich von den gleichen Pflanzen wie die erwachsenen Tiere. Durch mehrmaliges häuten entwickeln sie sich schliesslich zum erwachsenen geschlechtsreifen, geflügelten Tier. Im Vergleich zu diesem ‚unspektakulären’ Erwachsenwerden der Heuschrecken durchleben z.B. die Schmetterlinge während ihrer Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Tier eine vollkommene Umgestaltung sowohl der Körperform als auch der Mundwerkzeuge. Die Jungtiere der Schmetterlinge (die Raupen) haben beissende Mundwerkzeuge und fressen Blätter, Früchte und Pollen. Die flugfähigen erwachsenen Tiere besitzen einen Saugrüssel, der ihnen ermöglicht den süssen Nektar der Blüten zu nutzen.

Eiszeit an den Südwänden der Churfirsten überstanden

Die heutige Hauptverbreitung der nächsten Verwandten der Schweizer Goldschrecke gleicht einem gegen rechts offenen Hufeisen und reicht von der Sibirischen Tundra, über den Ural bis in die Mongolei. Die drei Aussenposten der Goldschrecken in den Alpen, den Karpaten und den Bergen des Balkans sind wahrscheinlich als ‚Überbleibsel’ aus der Eiszeit zu verstehen. Denn es wird angenommen, dass diese Goldschreckenarten früher wesentlich verbreiteter waren und neben Asien auch ganz Europa besiedelten. Während den Eiszeiten bedeckten immer wieder dicke Eismassen Teile der Erde und alle Pflanzen und Tiere in diesen Gebieten mussten auswandern, starben oder retteten sich auf eisfreie Gipfelregionen. Die Schweizer Goldschrecke fand in den Südwänden der Churfirsten einen sonnigen und für damalige Verhältnisse auch warmen Lebensraum und konnte überleben.
    Viele Tier- und Pflanzenarten der Gipfelregionen haben sich wieder langsam ausgebreitet als die grossen Gletscher schmolzen. Wieso hat sich aber die Schweizer Goldschrecke nicht wieder ausgebreitet? Eine andere Frage unter vielen, die unbeantwortet bleiben werden, ist: wieso konnte die so kleine und stark isolierte Population der Goldschrecke ohne Auffrischung der Gene über Jahrtausende stabil fortbestehen?

Selbst in unserer nächsten Nähe gibt es also noch immer Einzigartiges und Faszinierendes zu entdecken. Und wer weiss, vielleicht ist euch ja schon mal eines dieser seltenen Exemplare begegnet?