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Der
Gletscherfloh – ein Leben im Ewigen Eis
Der Sommer wird zweifellos
von den meisten Tieren mit Freude erwartet. Sobald die
lebensbedrohliche Kälte
der wohligen Wärme weicht, kriechen sie aus ihren dunklen und engen
Winterquartieren hervor, legen ihren dicken, schweren Winterpelz ab und
finden
wieder abwechslungsreiche Nahrung in Hülle und Fülle. Auch wir Menschen
verstauen
die schweren Wintermäntel im Schrank, verbringen wieder viel mehr Zeit
im
Freien, gehen wandern, schwimmen und geniessen die wohltuenden
Sonnenstrahlen. Dennoch
gibt es Lebewesen, die sich bei tiefen Temperaturen am wohlsten fühlen.
Für den
Gletscherfloh birgt gar der Sommer die grösste Gefahr!
Anders aber als sein Name vermuten lässt, ist der Gletscherfloh kein Floh, sondern wird zu der Ordnung der Springschwänze* gezählt. Die Namensgebung deutet auf das beiderseitig vorhandene Sprungvermögen von echtem Floh und Gletscherfloh hin. Im Ein weiterer Unterschied ist die Ernährungsweise. Während Flöhe sich von Blut ernähren, sind Gletscherflöhe ausschliesslich Vegetarier. Sie verspeisen hauptsächlich den nährstoffreichen Blütenstaub, der mit dem Wind auf die Gletscher verfrachtet wird. Da sich diese farbigen Partikel stärker erwärmen als das helle Eis, sinken sie langsam ein und sammeln sich im Innern an. In dieser rund 30cm dicken, durch haarfeine Röhrchen und Ritzen durchzogenen Eisschicht leben die Gletscherflöhe und schlagen sich selbst im Winter ungestört den Bauch voll. Ganzjährige Aktivität wird ihnen auch dank raffinierten Anpassungen an die eisigen Temperaturen ermöglicht. Ein zucker- und alkoholhaltiges Frostschutzmittel spielt dabei eine entscheidende Rolle, und erlaubt den Gletscherflöhen, sich auch bei Temperaturen von -20°C quickfidel zu fühlen und nicht zu erfrieren. Ausserdem entleeren die Tiere bei tiefen Temperaturen ihren Darm und entledigen sich so den allfälligen Kristallisationskeimen im Körperinnern. Falls sich trotzdem Eiskristalle bilden sollten, werden diese rasch von speziellen Proteinen eingepackt, und ein Ausbreiten der Kristallisation wird verhindert. Am wohlsten fühlt sich der Gletscherfloh jedoch um 0°C – die Temperatur also, welche sich im Gletscher unter einer Schneedecke einstellt. Wolken oder die anbrechende Nacht lassen das Schmelzwasser allmählich wieder versiegen und die Gletscherflöhe ziehen sich in das sichere Ritzesystem des Gletschers zurück. |