Es war Bernhard Albrecht, unser Tourenleiter, der trotz unsicherer Wetterprognose am Samstagmorgen am Bahnhof Uzwil 9 Unternehmungslustige, wovon 4 Männer, begrüssen konnte. Er hatte eine Wanderung im Hegau (Gegend von Singen) vorbereitet, wobei einige der Vulkanhügel wie Hohenhewen - Hohenstoffeln - Mägdeberg - Hohenkrähen - Staufen - Hohentwiel begangen werden sollten. Die Gegend schien einigen bekannt zu sein jedoch nicht vom Wandern, sondern durch das Benützen der Autobahn Richtung Stuttgart, welche sich elegant an den Vulkankegeln vorbei schlängelt.
Verfrachtet in 2 PWs erreichten wir nach 1 Stunde Fahrt Singen. Unser Ausgangspunkt war der Parkplatz der Gartenbauaustellung 2002, gleich unterhalb der Hohentwiel. Das Wetter zeigte sich von besserer Seite, als wir entlang der Hegauer-Aach die Aussenquartiere von Singen verliessen. Links begleitete uns das Bahntrasse der Deutschen Bundesbahn, auf dem die Mittelthurgaubahn von Kreuzlingen über Singen bis Engen verkehrte. Wegen verpasster Abzweigung stiegen wir über Wiesen den Berghang hoch und erreichten kurz vor der Domäne die Bergstrasse. Die Domäne, ca. auf halbem Weg zum Gipfel, besteht aus einem herrschaftlichen Gasthof, einem Bauernhof und der alten Remise, in der ein Informationszentrum für die Besucher der Hohentwiel eingerichtet ist.
Der Besuch des Informationszentrums ist nicht nur zwingend wegen des Kaufs der Eintrittskarten für die Hohentwiel, sondern auch lohnend wegen des geschichtlichen Abrisses der Festungsanlagen der Hohentwiel. Jedoch mehr hat die geologische Entstehung dieser Vulkankegel interessiert, die liebevoll als "des Herrgotts' Kegelspiel" bezeichnet werden. Die Hohentwiel ist der höchste dieser Kegel und erhebt sich ca. 250 Meter ¨ber der Beckenlandschaft.
Der zweite Aufstieg führte auf einer Fahrstrasse am bewaldeten, zum Teil felsigen Berghang hoch zur Festung. Diese hatte vor allem im Mittelalter ihre Bedeutung; sie wurde um 1800 zerstört. Die Ruinen mit den Beschriftungstafeln lassen klar erkennen, dass hier genügend Platz für mehrere hundert Soldaten und die zu verteidigenden Herrschaft Platz war. Vom Turm der Festung geniesst man einen herrlichen Rundblick und eine für uns ungewöhnliche Sicht auf dem Bodensee. Wir hatte genügend Zeit für die Besichtigung und eine Stärkung aus dem Rucksack.
Auf dem gleichen Weg gings zurück zur Domäne. Das nächste Ziel war die Hohenkrähen. Der Weg dorthin war von unserer erhöhten Position in der weiten Landschaft gut zu erkennen. Er führte auf Fahrwegen über die Autobahn Basel - Ulm, einem Waldstück entlang, einer kurzen Strecke auf geteerter Strasse, um dann im Wald zu verschwinden. An der Strasse erkannte man aus grosser Distanz den Hegauerhof, ein staatlicher, weissgetünchter Gasthof. Später, bei desser Passieren, meinte Annelies bestimmt, für ein Bier sei es noch zu früh, obwohl es bereits Mittag war und uns der Durst quälte. Recht hatte sie schon, die Annelies, denn sie kannte den steilen Anstieg in felsigem Gelände auf die Hohenkrähen und zudem waren die Teeflaschen ja noch nicht leer. Ein halbe Stunde später standen wir am Fusse des 2. markanten Vulkankegels und löschten kurz unseren Durst. Auf schmalem, steilem Fussweg gings bergan, weiter oben vorbei an zerfallenen Mauerstücken der einstigen Burg. Zuoberst, auf einer kleinen Felsplatte, schweifte der Blick in die Ferne auf die andern in der fruchbaren Ebene verstreuten Vulkanhügel. Die Vielfalt der Felder in verschiedenen Grün- und Brauntönen und die intensiv gelben Rapsfelder waren eine Augenweide. Weniger Augenweide waren die nahenden Regenfronten; der Wind hatte aufgefrischt. Auf der Hohenstoffeln und im Westen regnete es bereits. Zur Mittagsrast begaben wir uns an den Fuss des Berges, in dem uns windschutzgebenden Wald.
Den nächsten Hügel, den Mägdeberg, erreichten wir auf Fahrwegen, vorbei an wogenden Rapsfeldern. Die Pflanzen der Maisfelder zeigten die ersten Blätter. Der kurze Aufstieg zum Mägdeberg brachte uns wieder zu einer ausgedehnten zerfallenen Festungsanlage. Ein Weitergehen auf andere Vulkankegel erschien dem Tourenleiter wegen des nahenden Regens nicht ratsam und so entschied er in Müllheim den Zug Richtung Singen zu besteigen.
Nach 4 Stunden Wanderzeit in einer interessanten abwechslungsreichen Gegend, dem Regen entgegen, sassen wir beim Bier in Müllheim. Mit dem "Seehas" fuhren wir zur Station Gartenbauaustellung 2000 in Singen zurück.
Wer glaubte, dass die Wanderung nun abgeschlossen gewesen wäre, hat sich gründlich getäuscht. Es brauchte keine Überredungskünste, um die Unternehmungslustigen auf der Heimfahrt in Berlingen zum Aussteigen aufzufordern. Den schönen Abend verbrachten wir am See, die einen bei einem Teller Knusperli, die andern mit Süssigkeiten.
Für die gute Kameradschaft untereinander und die ausgezeichnete Führung durch Bernhard sie herzlich gedankt.
Paul