Bereits bin ich über zwei Wochen auf der Konkordiahütte auf 2'850m.ü.M., um hier über die Sommersaison
zu arbeiten. Ich bin in einer ganz anderen Welt als im Büroaltag von vorhin und es gefällt mir sehr gut.
Wir haben hier oben ein tolles Hütten-Team. Die Hüttenwarte Rosmarie und Christian Bleuer sind ganz
feine Leute und mit den beiden anderen Angestellten habe ich ebenfalls ein gutes Verhältnis. Erika kommt
aus Interlaken und ist gelernte Krankenschwester. Sie hat bereits einmal eine Saison lang auf der Hütte
gearbeitet. Weiter ist hier auch der nepalese Dawa, der in Kathmandu lebt und dort Trekkings und Touren
organisiert. Er ist bereits die dritte oder sogar vierte Saison hier. Langeweile kennen wir hier oben
nicht, schon wegen der beiden Kinder Anja (3) und Bruno (1), die uns immer auf Trab halten. Gäste haben
ir im Moment mehrheitlich Gletscherwanderer, Hochtourengänger sind im Moment noch nicht viele
anzutreffen. In langen "Würmern" (Seilschaften mit bis zu 10 Leuten am Seil) sehen wir die
Gruppen bereits vom Jungfraujoch her herankommen. Von der Hütte aus beobachten wir die herannahenden
Gäste und wissen so oft im vornherein, wenn "Pack" kommt. "Pack" sind diejenigen
Gruppen, die ohne Anmeldung bei uns übernachten wollen. Seit Start der Sommersaison Anfangs Juli 02
hatten wir schon einige interessante Gäste. Die älteste der insgesamt drei Konkordiahütten feiert dieses
Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum und darum hatten wir schon Zeitung und Fernsehen hier zu Besuch ein
kurzer Bericht über die Hütte kam vor gut einer Woche in der Tagesschau des SFDRS). Weil die Hütte im
neuen UNESCO-Weltnaturerbe liegt, kamen sogar schon Journalisten aus Asien und Amerika zu uns, um über
uns zu Berichten.
Die offizielle 125-Jahr-Feier fand vor gut einer Woche statt. Gäste der Sektion Grindelwald, der
benachbarten Sektionen, Zeitung und Fernsehen kamen in Seilschaften vom Joch her zu uns. Zwei der
Seilschaften hüllten sich zu diesem speziellen Anlass in alte, halbleinene Kleider. So, wie sie eben vor
125 Jahren in den Bergen getragen wurden; die Frauen mit langen schweren Röcken, die Männer in Hose und
Gilet, alle mit langen Stöcken und dem Seil um den Bauch geschlungen. Toll sah das aus! Zum Leid dieser
zwei Seilschaften begann es kurz nach Abmarsch vom Joch zu regnen. Die schon im trockenen Zustand
schweren Kleider wurden immer schwerer und schwerer, die Kräze die der eine auf dem Rücken trug war auch
nicht ganz wasserdicht. Kaum kamen die Seilschaften über die 408 Stufen zur Hütte hinauf, riss der
Himmel auf und die Sonne kam für den Rest des Tages zum Vorschein. Ideal für die Foto- und
Fernsehtermine, die nun vor der alten Hütte abgehalten wurde. Einige kurze Ansprachen wurden abgehalten.
Der Hüttenchef der Sektion Grindelwald erzählte geschichtliches über die Konkordiahütten und so erwähnte
er unter anderem, dass 1940 Pinguine auf dem Konkordiaplatz ausgesetzt wurden und man noch 1953 die
letzten von ihnen sah. Für ein Bad seien die Pinguine dann zum Märjelensee hinunter gewatschelt und
dann wieder zurück auf den Konkordiaplatz. (...) Eifrig schrieben die Journalisten auch bei dieser
Geschichte mit. Wohl wird der eine oder andere Journalist später gemerkt haben, dass diese Geschichte
nicht ganz der Wahrheit entsprach.
Die "obere" Hütte, die 1997 das letzte mal renoviert und angebaut wurde, ist sehr gut
ausgestattet. Das Licht wird mit Sonnenenergie erzeugt und für die Abwaschmaschine steht uns ein
Dieselgenerator zur Verfügung. Mit dem Wasser müssen wir hier sparsam umgehen, obwohl doch der Gletscher
mit genügend Wasser so nahe liegen würde. In zwei Tanks wird Schmelzwasser gesammelt, das dann, wenn der
Schnee geschmolzen ist, für die ganze Saison reichen muss. Wasser vom Gletscher über 110 Höhenmeter
hinaufzupumpen wäre eine kostspielige Angelegenheit. So dürfen wir im Team einmal die Woche eine Dusche
geniessen, ansonsten gibt's halt eine "Katzenwäsche". Die Tage auf der Hütte sind lang. Um
4:00 Uhr ist im Moment das erste Frühstück, das zweite ist ab 6:00 Uhr für die Gletscherwanderer, die
etwas später abmarschieren dürfen als die Hochtourengänger. Nach dem gemeinsamen Morgenessen, wenn alle
Gäste aus der Hütte sind, gehts ans Putzen. Die Küche muss täglich geschrubt, der Aufenthaltsraum
gewischt, die Schuhe im Schuhraum sortiert, die Wolldecken in den Zimmern schön zusammengelegt und das
"Shithouse" (die schönste Arbeit hier...) geputzt werden. Zusammen mit dem Mittagessen,
welches wir für uns im Team kochen, backen wir meist auch Apfelkuchen, der schon in einigen Kreisen von
Berggängern berühmt ist. Nach dem Mittag haben wir dann etwas Zeit für uns, können Karten schreiben,
mit den Kindern spielen oder bei schönem Wetter die Sonne auf der Terasse geniessen. Um den Puls ab und
zu ein wenig in die Höhe zu jagen gehe ich manchmal die 408 Stufen der Treppen hinab zum Gletscher und
wieder hinauf oder spaziere den Südweg hinunter und wieder hinauf. Viel mehr "Auslauf" haben
wir dort oben nicht. Wenn es die Zeit zulässt können wir im Klettergarten direkt hinter der Hütte
klettern gehen. Zwei, drei Seillängen liegen drin, bevor die ersten Gäste auf der Terrasse erscheinen
und etwas zu trinken und zu essen verlangen. Gegen mitte des Nachmittags machen wir uns schon bald
wieder ans kochen, damit das Menu um 18:30 Uhr bereit zum servieren ist.
Ich geniesse die Zeit hier oben sehr, die Aussicht auf die umliegenden Berge und die Gletscher ist
fantastisch und unser Team auf der "Konke" super.
Andrea Hess